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"Gut", "Weiß nicht mehr", "Geheimnis" - und warum Groß einfach kein Erzähler ist...

Ich hatte mir das ja immer so schön vorgestellt. Endlich ist Groß alt genug und kann sich wunderbar sprachlich ausdrücken und ich hatte mich so auf unsere Unterhaltungen gefreut.

Ich fand es immer schön, wenn andere erzählt haben, dass abends am Familientisch jeder erzählt, was er untertags so alles erlebt hat, schön der Reihe nach, die anderen hören andächtig zu. Dann werden alle guten und schlechten Dinge des Tages besprochen, diskutiert, es wird gelacht, gescherzt und jeder sagt seine Meinung.

Klingt schon toll, oder?

Leider bin ich da mittlerweile, was die Kommunikation mit Groß angeht, ein bisschen ernüchtert. Und zugegebenermaßen schon auch ein bisschen neidisch auf Familien, bei denen oben Erwähntes tatsächlich auch so abläuft.

Ich würde mich einfach so wahnsinnig freuen, wenn er ein bisschen mehr erzählen würde, von den Aktivitäten und Erlebnissen an denen ich nicht mehr teilhabe:  Kindergarten, Hobbies, Geburtstagsfeiern, usw.
Und das heißt jetzt nicht, dass er alles haarklein aufbereiten muss oder ich irgendwelche Geheimnisse und Streitereien erfahren möchte. Nein, einfach, wie es war, was er und seine Freunde erlebt und gemacht haben.

Aber unsere Unterhalten landen sehr oft in einer Einbahnstraße oder wahlweise in einer Sackgasse.

Mama: "Und was hast du alles gemacht im Kindergarten?"
Groß: "Gespielt."
Mama: "Ah, schön, was habt ihr denn gespielt?"
Groß: "Weiß nicht mehr!"
Mama: "Und wer war beim Spielen alles dabei?"
Groß: "Geheimniss!"

Aha, sehr aufschlussreich.

Auf der Suche nach Rat und Hilfe habe ich irgendwo mal gelesen, man soll mit seinen Kindern "wiehern".
Ja genau, alles klar. Am Ende des Artikels war mir klar um was es ging. Wir sollen unseren Kindern WIE-Fragen stellen, angeblich kommen Kinder damit leichter klar, können WIE-Fragen besser verarbeiten und antworten enstprechend ausführlicher.
Aha. Ja, gut, also dann eben "wiehern".
Ich wollte ja nichts unversucht lassen. Und wenn es so simple war und ich nur meine Fragestellungen anders formulieren musste, wäre das ja überhaupt kein Problem.

Mama: "Und, WIE wars im Kindergarten?"
Groß: "Gut!"
Mama: "WIE hast du denn die Freispielzeit verbracht?"
Groß: "Geheimnis."
Mama: "WIE möchtest du den Nachmittag bis zum Sportunterricht verbringen?"
Groß: "Weiß nicht!"

Super. Das hat wirklich toll funktioniert. Bahnbrechender Erfolg. Läuft! Zwar Rückwärts aber läuft!
Frust pur!

Es ist jetzt nicht so, dass wirklich jedes unserer Gespräche so abläuft. Wenn ihn was wirklich begeistert, erzählt er auch davon. Nicht super ausführlich, nicht ausgeschmückt sondern einfach, kurz und prägnant. Aber er erzählt es!

Ich habe wirklich viel versucht und überlege auch sehr oft, warum er einfach kein großartiger Erzähler ist.
Ich glaube er ist sehr oft einfach mit seinen Gedanken schon beim nächsten "Thema" (Freundebesuch, Spielen oder bauen im Garten, Geburstagsfeier, usw.).
Er ist superschlau und in seinem kleinen Kopf sind so viele unglaubliche Dinge, die er versucht zu verarbeiten, dass ihm vielleicht wirklich manchmal nicht einfällt, mit wem er im Kindergarten gespielt hat.
Und ich glaube, dass er mich manchmal auch ein klitzekleines bisschen ärgern möchte, wenn ich zum gefühlt 10. Mal frage WIE was war... er weiß nämlich genau, dass er mich manchmal damit auf die Palme bringen kann...

Manchmal machen mich Situationen, wie oben beschrieben wütend und zornig, dann wieder traurig und leise. Und manchmal kann ich auch einfach drüber schmunzeln.

Es wurmt mich trotzdem.

Aber mit dauerendem Nachfragen, Druck und Gezeter erzählt er aber auch nicht mehr.

Und ich versuche, zu akzeptieren, dass er einfach nicht sehr viel darüber redet, was er so erlebt.
Ich versuche es jeden Tag, jeden Tag aufs Neue! 

Umso mehr freue ich mich dann aber wirklich, wenn er Kleinigkeiten aus seinem Kindergarten- und Hobbyalltag erzählt. Und das sind meine Lichtblicke!




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