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Hochbegabung? Einfach nur wissbegierig und schlau? IQ-Test ja oder nein?

Ein Thema, das mich immer wieder oder immer noch beschäftigt. Es lässt mich einfach nicht ganz los.
Ist Groß hochbegabt? Oder weiß er einfach nur sehr viel und kann sich viele Dinge auswendig merken?

Nie im Traum hätte ich vor einigen Jahren daran gedacht, dass Groß hochbegabt sein könnte. Er war ein total normal entwickeltes kleines Kind.
Hat sehr spät mit dem Sprechen angefangen. Ich erinnere mich genau, dass ich mich, meine Familie und meine Umgebung verrückt gemacht habe, ob er überhaupt jemals sprechen würde, ob er sich im Kindergarten verständigen kann, da er außer Mama und Papa kein weiteres Wort gesprochen hatte.
Kurz vor seinem dritten Geburtstag die Überraschung - er spricht und zwar in ganzen Sätzen. Ich war hin- und weg, so überglücklich, dass mein Kind sich wunderbar verbal ausdrücken kann, und das über Nacht...
Ich war meilenweit entfernt davon, dass das eine besondere Begabung sein könnte.

Im Laufe seiner Kindergartenzeit haben wir festgestellt, dass Groß sehr sensibel ist, auf Veränderungen mit Bauchweh und Magengrummeln reagiert, einfach nicht gut damit zurecht kommt. Er braucht seine täglichen Rituale, seinen gewohnten Tagesablauf.
Wir stellten fest, dass er handwerklich sehr geschickt ist, gerne bastelt und malt.
Er ist sehr musikalisch. Kann sich Liedtexte sehr schnell auswendig merken, singt gerne und spielt ein Instrument. Er spielt sehr viel nach Gehör, probiert so lange bis er das Lied selbst spielen kann.
Er hat ein super technisches Verständnis und ein Faible für Zahlen, beides Dinge, die ich bis heute nicht habe.

Der fast unersättliche Wissensdurst in dieser Richtung ist schwer zu stillen und uns trieb immer wieder die Frage um, wie weit sollen wir in fördern...
Wir haben seinen Wissensdurst gestillt - bis heute. Wir waren der Meinung, dass wir ihn nicht mit offenen Fragen hängen lassen wollten. Wir wollten einfach nicht, dass er eines Tages aufhört zu Fragen. Wir wollten ihn nicht allein lassen mit all seinen kleinen und großen Fragezeichen im Kopf. Und das haben wir bis heute auch so beibehalten.

Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen!
Albert Einstein

Dennoch haben wir ihn nicht zum regulären Zeitpunkt eingeschult. Eine Entscheidung, die mir nächteweise den Schlaf geraubt hat.
Es prasselte von allen Seiten auf uns ein:

"Schult ihn ein, er weiß so viel."
"Gebt ihm die Zeit, die er braucht, er ist emotional noch nicht fit genug."
"Passt auf, nicht dass ihm langweilig wird!"
"Er braucht noch ein bisschen Selbstbewusstsein, das weitere Jahr wird ihm gut tun." 

Um nur ein paar der Aussagen zu nennen. Ein Abwägen, ein langes Grübeln, ein Hin- und Herschieben im Kindergarten, von den mittleren zu den Vorschulkindern und wieder zurück.
Bis wir einen Schlussstrich gezogen haben, um für Groß wieder Ruhe in seinen Alltag zu bringen.
Wir haben ihn zurückstellen lassen.

Diese Entscheidung hat sich gut angefühlt. Ich habe gesehen, wie schwer es ihm gefallen ist, sich neuen Situationen und unbekannten Menschen zu stellen. Ich habe gesehen, wie schwer es ihm fällt, sich Größeren gegeüber zu behaupten. Ich habe gesehen, wie er sich in sein Schneckenhaus zurückgezogen hat, wenn ihm alles zu viel wurde.
Ich habe mitgefühlt und mitgelitten.

Neue Wege entstehen, in dem wir sie gehen. 
Friedrich Nietzsche

Wenn ich ihn jetzt, neun Monate später sehe, weiß ich, dass wir den richtigen Weg gegangen sind. Zumindest aus dem sozialen, emotionalen Blickwinkel heraus.

Sein Wissensdurst ist immer noch unersättlich. Aber wir halten an unserer Meinung fest, ihm, so gut es geht, seine Fragen zu beantworten.
Er hat sich, gerade im Laufe des letzten Jahres, fast selbstständig beigebracht zu rechnen. Und ich meine jetzt nicht 1+1 oder 2+3. Sondern im Zehner- und Hunderterbereich. Minus-, Mal- und Geteiltrechnen. Also, ehrlich da sind Rechnungen dabei, bei denen ich mal kurz auf meinem Handy nachsehe, ob das gleiche Ergebnis rauskommt.



Auch Lesen geht schon realtiv gut, braucht etwas Zeit, aber er schafft gerade großgeschriebene Wörter einwandfrei.
Egal ob Elektronik-, Chemie- oder sonstige Kinderexperimentierkästen, er interessiert sich für alles und die Altersempfehlungen der Hersteller liegen deutlich über seinem Alter.

Und nun passierte vor einigen Wochen genau das, wovor ich insgeheim schon eine ganze Weile Angst hatte. Einfach weil der Gedanke schon eine Weile still und heimlich in meinem Kopf rumgegeistert ist, ich ihn aber einfach verdrängt hatte und mich mit, Groß kann eben sehr viel, beruhigt hatte. Und dann sprach mich die Erzieherin an:

"Ihr Sohn ist sehr schlau, wollen Sie ihn nicht mal auf Hochbegabung testen lassen" 
Das klingt jetzt wahnsinnig toll, aber ich habe mich im ersten Moment schlicht und einfach überfahren gefühlt.
Mir schossen viele Gedanken und Dinge durch den Kopf
Banale Dinge wie: Wo macht man diese Tests, was passiert dabei, wann kriegt man ein Ergebnis.
Und die Dinge, die für mich und meinen Mann wirklich wichtig waren: Wie geht es Groß dabei, was fangen wir mit dem Testergebnis an, mit dieser Zahl? Wird er speziell gefördert werden, was passiert dann in der Schule. Wollen wir das überhaupt und wenn nicht, wie gehen wir weiter vor?

Und wieder prasselten die verschiedensten, meist nicht zufriedenstellenden Antworten auf uns ein:

"Na dann wissen Sie halt, was er für einen IQ hat"
"Gefördert wird im Kindergarten nicht, in der Schule vielleicht"
"Dann weiß der Lehrer gleich woran er ist"
"Lasst ihn doch einfach Kind sein, ein schlaues Kind eben, er wird seinen Weg gehen."
"Den Test kann man immer noch machen, wenn er in der Schule auffällig wird."

Um auch hier wieder nur Einige zu nennen.
Und auch dieses Mal und nach all diesen Gesprächen wurde mir bewusst, dass ich diese Entscheidung ganz allein mit meinem Mann zusammen treffen musste.

Auch diese anstehende Entscheidung hat mir nächtelang den Schlaf geraubt und sie ist uns beiden nicht leicht gefallen.
Wir werden ihn (vorerst) nicht testen lassen. Er wird im September in die Schule gehen. Dieser neue Schulalltag mit all seinen reichen, bunten und neuen Facetten wird ihm gerade am Anfang zu schaffen machen.
So viel Neues und Unbekanntes, neue Bezugspersonen, neue Kinder, das Hausaufgaben machen - alles Dinge, an die er sich erst gewöhnen muss. Wir glauben, dass es ihm gut tut, wenn es etwas gibt, dass er schon kann. Dann fällt ihm der Schulstoff einfach schon mal leichter und er kann seine Kraft und Konzentration darauf verwenden in der Schule "anzukommen". Es wird trotz allem noch so viele Dinge in der Schule geben, die er erst noch lernen muss/kann/darf.

Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber nichts lernen zu wollen. 
Platon



Und auch diese Entscheidung fühlt sich gut.

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