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Tage wie dieser!

„Tage wie diesen hier gibt es wie Sand am Meer,
nichts läuft wie ich es wollte.
Sie geben nicht viel her außer Frust,
keine Lust auf nichts mehr,
nichts klappt wie es sollte.“

Oh ja, wie recht doch die Drei von Sportfreunde Stiller haben.

Es gibt sie, diese Tage, die schon beim Aufstehen verflucht zu sein scheinen. Es ist dreiviertel sechs und der Bub kräht „Maaaaaama, Paaaaaapa“ über den Flur und ich bete inständig, dass seine Schwester nicht auch gleich aufwacht.
Ich erinnere mich vage an meinen Vorsatz vom Vorabend „Morgen wird alles besser, ich bin ausgeglichener und motiviert und versuche nicht gleich bei jeder Kleinigkeit an die Decke zu gehen".
Im Moment fühle ich nichts davon, ich will schlafen. Mein Mann schält sich aus dem Bett und erklärt dem Großen er solle sich doch bitte noch ein bisschen selbst beschäftigen, bis wir annähernd fit und bespaßungstauglich sind.

Es folgen Gezeter beim Frühstück, Genöle im Bad und der morgendliche Kampf der kleinen Schwester zu erklären, dass sie jetzt nicht mit dem großen Bruder und in ihrem Bademantel und Schlafanzug mit in den Kindergarten gehen kann.
Meine Nerven sind schon gleich in der Früh wieder sehr strapaziert, die Tasse Kaffee hat auch nur noch eine Alibifunktion und bietet kein Erwachen und keine Entspannung mehr.
Gut, ich versuche meine schlechte Laune nicht an unserem Mädchen auszulassen und es gibt eine Runde Vorlesen, bevor wir ins Bad gehen.

Aber im ersten Stock angekommen, werden meine Nerven bereits wieder deutlich strapaziert: das morgendliche Zähneputzen, das nicht so ausfällt, wie ich mir das wünsche. Die Frisur, die ich nicht machen darf, dafür die Zahnpaste und Creme in den Haaren und der Kampf zwischen dem Mädchen und mir, die Sachen anzuziehen, die ich möchte.

Es folgende unzählige Situationen an diesem Vormittag, die meinen Geduldsfaden immer dünner werden lassen. Aber bald ist es Zeit, den großen Bruder wieder abzuholen und meine Hoffnung, dass die beiden sich miteinander beschäftigen und ich kurz eine Verschnaufpause bekomme, steigt.
Freude beim Abholen, der große Bruder ist wieder da … Doch schon kurz darauf und noch vor dem Mittagessen spielen die beiden Fangen in unserer Küche und ich schwanke zwischen der Angst gleich wegen einer Kopfplatzwunde ins Krankenhaus fahren zu müssen und dem Drang nach Ruhe. Das „Sich Fangen“ nur mit einer, für mich schon schmerzenden Lautstärke geht, ist natürlich selbsterklärend.

Ok, Mittagessen ist fertig und ich freue mich auf ein schönes Gespräch mit meinem Ältesten und einer leise vor sich hinfutternden kleinen Schwester. Doch die noch heute morgen gewünschten Nudeln mit Tomatensoße sind „nicht so wie sonst“ und „schmecken nicht“. Die Kleine machts dem Großen nach und schiebt den Teller weg. Das Gespräch läuft ungefähr so ab: „Und was hast du heute alles Tolles gemacht?“ „Gespielt“, „Aha, und mit wem?“, „Weiß nimmer“. Super. Mittlerweile weint die Kleine, weil müde, der Esstisch sieht aus wie ein Schlachtfeld und ich bemühe mich die Kleine ruhig in den Mittagschlaf zu bugsieren.

Ich brauche Ruhe, ich bin müde und so darf der Große eine Weile Kindersendungen ansehen, nicht ohne das schlechte Gewissen meinerseits eine Rabenmutter zu sein.

Ich kann mich tatsächlich ein bisschen erholen und freue mich auf einen gemütlichen Nachmittag mit meinen Kindern. Kein anderes Kind, das zum Spielen eingeladen wurde und zusätzlich bespaßt werden muss, keine Arzttermine, keine gezwungenen Oma-und-Opa-Besuche…

Da sich aber ein ganzer Nachmittag mit den Beiden auch wie Kaugummi ziehen kann, beschließe ich, mit den Beiden ein paar Einkäufe zu erledigen u.a. braucht der Große dringend neue Turnschuhe.

Mit einem leicht beschwingten Gefühl machen wir Drei uns auf den Weg… doch bereits im Schuhladen nimmt das Chaos seinen Lauf. Der Große läuft zielstrebig auf den, gekonnt mittig platzierten, Kinderfernseher und schaut sich fasziniert Jake und die Nimmerlandpiraten an. Die Kleine rennt auf die Kinderschuhregale los „Mausi, auch neue Schuhe“ in einer Endlosschleife vor sich hinplappernd.

Einatmen, Ausatmen… ich zeige dem Bub diverse Turnschuhe, bitte ihn diese zu probieren, immer mit einem Auge auf die Kleine schielend. Auch der Bub schielt, und zwar immer in Richtung Jake und seine Freunde, mit den Füßen halb in den besagten neuen Modellen, „passt nicht!“ – Ah, das Papier ist noch im Schuh…“Nein, da komm ich nicht rein“. Ich merke wie meine Wut und mein Frust immer mehr zunehmen und halte die Kleine gerade noch davon ab, ihre eigenen Schuhe in einen Karton zu verpacken und ins Regal zu stellen.

Wir haben zwei paar Schuhe erstanden, aber mein Geduldsfaden ist gerissen. Ich ärgere mich über die Kinder, den Schuhladen, den Fernseher, über mich selbst. Zurück im Auto lasse ich meinen Frust an den Kindern aus, ob sie denn nicht mal vernünftig einkaufen können, ob er sich denn nicht mal um die Schuhe kümmern kann, diese anständig probieren kann. Ich weiß, ich bin ungerecht, aber ich kann nicht anders, zu frustriert bin ich, dass das Einkaufen mit einer zwei- und einem sechsjährigen nicht vernünftig funktioniert hat. Der Große motzt „ich sag jetzt gar nichts mehr“, die Kleine schaut verwundert „Mama was los?“

Tja, was ist eigentlich los… ich habe es mir anders vorgestellt das Einkaufen, vernünftig eben, so wie Erwachsene einkaufen, wenn sie etwas brauchen…hier kommen mir die ersten Zweifel, verlange ich zuviel?

An diesem Abend sitze ich auf dem Sofa und lasse mich berieseln, einmal mehr mit irgendeinem, blöden Film, der mir nichts bringt… aber irgendwie brauche ich das. Genauso wie eine Zigarette an der frischen Luft, es ist kalt und dunkel und ich gehe nochmal in mich. Seit kurzem versuche ich jeden Abend „Danke“ zu sagen für die schönen Dinge, die ich an diesem Tag erleben durfte, und so auch heute:

Danke, dafür dass meine Familie gesund ist.
Danke, für kleine, schöne Momente am Vormittag, an denen ich mit meiner Kleinen gespielt und gesehen habe, dass sie etwas Neues kann
Danke, dafür, dass ich meine Bügelwäsche erledigt habe und Töchterchen eine halbe Stunde vor sich hingespielt hat.
Danke für eine Mittagspause, die ich so dringend nötig hatte und die mich zur Ruhe kommen ließ.
Danke, dass wir letztendlich zwei Paar schöne Schuhe gefunden haben.
Danke, dass mein Mann recht bald von der Arbeit nach Hause kam und mir die Kinder abgenommen hat.
Danke für ein tolles Gespräch beim Abendessen, in dem uns unser Großer begeistert vom Töpfer-Angebot im Kindergarten erzählt hat.
Danke für das heutige, problemlose Zubettgehen der Kinder.



Wenn ich mir diese Liste so ansehe, wird mir bewusst, dass auch viele schöne Dinge an diesem Tag geschehen sind. Dinge, die meinen Tag nicht nur grau sondern auch bunt aussehen lassen.

"Tage wie dieser…
An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit
Wünsch ich mir Unendlichkeit"

Oder haben vielleicht doch die Toten Hosen recht?


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