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Abschiednehmen, Teil II - Ein Kindergartenrucksack voller Erinnerungen

Da war er, der wirklich allerletzte Kindergartentag. Das Abschiedspicknick liegt schon eine Woche zurück und ich habe die letzten Tage versucht dieses nahende, endgültige Ende der Kindergartenzeit zu verdrängen.

Und jetzt sitze ich da, habe Groß ein letztes Mal vom Kindergarten abgeholt und nach Hause gebracht. Ich fühle mich leer und irgendwie allein. Genauso wie an den ersten Tagen, an denen ich Groß in den Kindergarten gebracht habe und mich wie eine Rabenmutter gefühlt habe, weil er weinend am Fenster stand und mir gewunken hat.

Damals habe ich mir gesagt, er wird es schaffen, es wir ihm gut tun und er wird viele neue Möglichkeiten entdecken um zu lernen und zu wachsen. Und er hat es geschafft, er ist stärker geworden, hat tolle Freunde gefunden und durfte Vieles erleben.

Jetzt sage ich mir, er wird es schaffen, es wird ihm gut tun und er wird viele neue Möglichkeiten entdecken um weiter zu lernen und zu wachsen. Also mein Verstand sagt das, mein Herz leidet.

Der bunte Kindergartenrucksack liegt vor mir auf dem Tisch. Er hat Groß treue Dienste geleistet. Und jetzt hat er ausgedient. Er könnte so manch lustige oder auch traurige Geschichte erzählen. Er hat viele Schätze beherbergt und viele Erinnerungen.
Jetzt liegt er da und Groß packt ihn ein letztes Mal aus. Die Brotzeitdose und Trinkflasche wandert in die Spülmaschine und diverse andere Kleinigkeiten werden zu Tage befördert.

Der Kindergartenrucksack verschwimmt vor meinen Augen, ich hätte nicht gedacht, dass es mir sooo schwerfällt, diesen neuen Lebensabschnitt zuzulassen und den alten loszulassen.

Wir packen den Kindergartenrucksack sorgfältig in die Erinnungsbox des Kindergartens.

Erinnerungen an seine Freunde, aufgeschlagene Knie, durchgewetzte Hosen. Erinnerungen an Steine und Stöcke von den Waldausflügen. Erinnerungen an Feste mit den Eltern und Großeltern. Erinnerungen an seine Erzieherinnen und Bezugspersonen. Erinnerungen an die Lernwerkstatt und das Malatelier. Erinnerungen an den Bücherwurm und den Papa-Tag. Erinnerungen an Streit und Versöhnung. Erinnerungen an Töpfern, weben und die Keilrahmen-Foto-Aktion. Erinnerungen an Arbeitsblätter und die Stille Zeit, das Zahlenland und das Übernachtungsfest. An die Maxi-Olympiade, die Besichtigung des Krankenwagens und den Besuch der Polizei. Erinnerungen an jeden einzelnen, der gemeinsam mit ihm durch diese vier Jahre gegangen ist.

Ich habe für Groß diese Erinnerungen aufgeschrieben, auf kleine Zettel. Und all diese wertvollen Gedanken und Ereignisse in seinen Kindergartenrucksack gepackt.
Ich hoffe sehr, dass er diese Box irgendwann einmal, später, wenn er erwachsen ist, aufmachen und den Rucksack zur Hand nehmen wird und in Erinnerungen an seine Kindergartenzeit schwelgen kann.

Lieber Groß, es war wunderbar diese Zeit gemeinsam mit dir zu verbringen und ich freue mich auf einen neuen, spannenden Lebensabschnitt von und mit dir.

Ich liebe Dich!


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