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Alles nur eine "Phase"?! oder "Alles steht Kopf" bei Klein - unsere Zerreißprobe am Abend

Ich könnte brüllen, schreien, heulen - innerlich tue ich das auch, jeden Abend im Moment. Äußerlich versuche ich ruhig und gelassen zu sein und gute Laune zu verbreiten. Das gelingt mir ungefähr gefühlte zwei Minuten bevor ich selber patzig werde und mir die Hutschnur reißt.

Unsere Abende und das gemeinsame Abendessen werden gerade für alle zur Zerreißprobe.
Klein ist im Moment sehr schwierig. Bei der klitzekleinsten Kleinigkeit gerät sie aus dem  Häuschen. Tobt, wütet, schreit, heult, wirft sich auf den Boden und lässt sich nur schwer wieder beruhigen. Jedes "Nein" unsererseits wird mit einem erneuten Wutausbruch quittiert.
Sie kann sich für nichts entscheiden. Egal ob das Trinkbecher, die Brot- oder Wurstsorte oder das Besteck ist, das auf dem Tisch liegt. Es ist grundsätzlich nicht das Richtige. Und auch hier endet die Szene wieder in wütendem Geheule, dass schon mal bis zur Schnappatmung mutieren kann.

Sie macht es uns und auch sich selbst im Moment gerade nicht leicht. Da wir aber auch nicht permanent nachgeben wollen und sie auch lernen soll, mit bestimmten Entscheidungen zu "leben" (dass sie sich z.B. zum Abendessen, den rosa Becher ausgesucht hat und nicht drei Minuten später den grünen haben kann, wohlgemerkt ist der rosa Becher schon gefüllt) müssen wir sicherlich die ein oder andere Wutattacke "aushalten".
Das geht auch eine Weile, irgendwann reißt aber auch der allerstärkste Geduldsfaden und ich fange an zu schimpfen. Das macht das Ganze auch nicht besser und gipfelt dann darin, dass sich Groß mit Klein verbrüdert, beide keinen Hunger mehr haben und unter Geheule und Gemotze ("Ihr seid sooooo gemein zu Klein!!!") im Kinderzimmer oder Garten verschwinden.
Bei uns Eltern ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt angekommen. Das Abendessen schmeckt mir nicht mehr und ich mache mir Vorwürfe, warum ich nicht ruhiger an die Sachen rangegangen bin. Ist doch eigentlich egal, welchen Trinkbecher sie hat....

Das ist bestimmt nur eine Phase!
Ah, da war er, dieser nett gemeinte Satz, den ich von sämtlichen Seiten zu hören bekomme.
Ich kann ihn nicht mehr hören, egal ob von Omas, Opas, Bekannten oder Verwandten.
Dieser Satz ändert nichts an der momentan schwierigen, abendlichen Situation.
Diese "Phase" verlangt uns im Moment einfach alles ab. Und diese "Phase" sieht nach dem Abendessen dann so aus: Mann und Groß sauer und motzig. Mama und Klein heulen... tolle Phase.

Und wie lange genau dauert die jetzt so??? 

Meine Standardfrage auf oben genannten Satz konnte mir bisher noch niemand beantworten, weder die Omas und Opas noch die Bekannten und Verwandten.

Ja, natürlich ist das sicher "nur eine Phase" aber die ist halt einfach scheiße und anstrengend und ich will diese Phase nicht. Ich krieg sie aber gerade auch nicht weg und daher müssen wir versuchen anders mit "dieser Phase" umzugehen.

Damit dieser nervige Gast "Phase" endlich das Weite sucht, bin ich auf Ursachenforschung gegangen. Ein paar Dinge sind mir dabei aufgefallen, die es "Phase" vielleicht auch sehr leicht machen sich bei uns einzunisten...

Abendliches Fernsehen

Wenn wir abends zu Hause sind, darf Groß 20 Minuten fernsehen bevor wir gemeinsam Abendessen. Jetzt lässt es sich natürlich nicht vermeiden, dass Klein auch hin- und wieder in die Flimmerkiste schaut. Und selbst wenn Groß sich nur ausgewählte Filme und Serien ansehen darf, ist es für Klein vielleicht einfach noch eine totale Reizüberflutung. 

Zuviel Auswahl beim Abendessen

Normalerweise essen wir Mittags warm, daher gibt es abends nur Brotzeit bei uns. Damit sich jeder das nehmen kann, was er gerne möchte, gibt es immer verschiedene Wurst- und Käsesorten, Auftstriche und Rohkost. Das ist ja prinzipiell auch wunderbar. Allerdings kam mir jetzt, nach längerem Grübeln, der Verdacht, dass es für Klein einfach vielleicht zu viel Auswahl ist, weshalb sie sich nicht entscheiden kann. Erst das eine nimmt und dann doch das andere will und dann zuerst das eine essen soll bevor sie das andere bekommt. 

Abends mehr Zeit einplanen / andere Essenszeiten

Irgendwie ist ja immer alles schön durchgeplant. Trotzdem ist es vielleicht zu wenig Zeit für die verschiedensten Dinge am Abend. Normalerweise gibt es um ca. 19:00 Uhr Abendessen bei uns. Früher schafft es der Papa oft nicht aus der Arbeit. Bis dann alles hergerichtet ist und wir loslegen (inklusiver sämtlicher vorangegangener Wutausbrüche!) ist es meistens kurz vor sieben. Nachdem Essen geht's ab ins Bad zum duschen, Zähneputzen, waschen usw. Dann gibt es für beide noch ihr Abendritual, so dass die beiden Mäuse dann gegen dreiviertel acht in den Betten liegen und träumen.
Dieser Zeitplan hat sich eigentlich immer richtig angefühlt und später möchte ich die Mäuse auf keinen Fall ins Bett bringen. Vielleicht sollten wir die Abendessenszeit einfach ein bisschen nach vorne schieben um anschließend einfach mehr Zeit zu haben. Vielleicht verbreiten wir auch einfach unterbewusst zu viel Stress und somit ist das Gezeter schon fast vorprogrammiert.

Andere Schlafenszeiten

Auch darüber habe ich länger gebrübelt, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass die Zeiten eigentlich gut sind für Groß und Klein. Die beiden stehen meistens zwischen halb sieben und sieben auf, Klein macht noch Mittagschlaf, meistens so zwei/zweieinhalb Stunden und abends geht's gegen halb acht ins Bett. Groß darf am Wochenende gelegentlich auch mal ein bisschen länger aufbleiben.
Würde ich jetzt die Schlafenszeiten verschieben wäre viel von unserem gewohnten Tagesablauf durcheinander, was es noch komplizierter macht, wenn ich arbeiten muss.


Für mich ist es im Moment schwierig herauszufinden, was genau diese "Phase" nun schon eine ganze Weile bei uns macht aber damit sie nicht zum Dauergast mutiert, werde ich die nächsten Tage und Woche das ein oder andere an unserem abendlichen Ablauf ändern.

Ich wünsche mir, dass sich diese "Phase" bald einen anderen Gastgeber sucht und Freude wieder die Oberhand in der Kommandozentrale der Emotionen übernimmt.

Mein Lichtblick: ich sehe mir "Alles steht Kopf" an und glaube ganz fest daran, dass sich "Freude" mit dem Gedankenzug auf den Weg gemacht hat - vom Langzeitgedächtnis zur Kommandozentrale um "Wut" den Schalthebel zu entreißen.









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