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Kinderfreundschaften - Kumpel vs. Freundin und warum das Spielen mit Freunden manchmal so anstrengend sein kann

Wünschen wir uns das nicht alle, tolle Freunde für unsere Kinder, mit denen sie gemeinsam durch dick und dünn gehen? Den besten Kumpel, die beste Freundin für immer?

Ja, ich wünsche mir das auch, für Groß und für Klein. Während Klein noch sehr Eltern- und Großeltern-bezogen ist, ist Groß ja schon bisschen älter und hat sich einen kleinen Freundeskreis um sich aufgebaut. Das ist toll und ich freue mich wirklich sehr für Groß, denn es sind allesamt wunderbare kleine Menschen, mit denen er befreundet ist.

Wenn ich so in die Vergangenheit blicke hat dieser Prozess ein Weilchen gebraucht. Während andere Kinder gleich mit jedem befreundet und ständig unterwegs sind, haben Groß in seiner Anfangszeit im Kindergarten die Stunden vormittags mit anderen Kindern und seinen Freunden völlig gereicht. Er hat am Nachmittag die Mama- und Oma-Opa-Zeit eingefordert. Mit den Jahren wurde der Drang auch nachmittags ein paar Stunden mit Freunden und Freundinnen zu verbringen aber größer. Ich hatte nichts dagegen einzuwenden, habe mich für Groß gefreut, als die ersten Anfragen kamen und dachte, schön, dann hab ich ja ein bisschen Zeit für mich, wenn die Kids spielen....

Ja, das hatte ich mir in meiner Naivität so schön ausgemalt, die Kinder spielen und ich lese oder entspanne....

Weit gefehlt.

Es gibt zwei Jungs, Max und Michael, die sehr gerne und sehr oft bei uns sind. Ich habe nichts dagegen, wenn bei uns die Bude voll ist und die Kids bei uns im Haus oder Garten spielen - wenn sie denn spielen würden.

Anfangs geht die "Spielerei" meist noch so fünf bis zehn Minuten gut aber dann geht es schon los:
Mama, wir wissen nicht, was wir spielen sollen.
Ah, altbekanntes Phänomen, jetzt nur im Doppelpack.
Mama, kannst du nicht was mit uns machen?" Hast du nicht eine Idee? Oder können wir was cooles basteln?
Nein! Können wir nicht, ihr seid zu zweit, habt was ausgemacht und wolltet unbedingt gemeinsam spielen. Jetzt tut das bitte auch....

Nach weiteren zehn Minuten, in denen lustlos Legosteine aufeinander gestapelt und kleine Autos auf dem Spielteppich umgeparkt wurden, grölen die beiden Spielkameraden erneut.
Dürfen wir was anschauen, wir wollen den neuen Film schauen, mit Knabbersachen. 
Kurzer Blick auf die Uhr - halb vier nachmittags. Kurzer Blick nach draußen - die Sonne scheint.
Nein, kein fernsehen! Ab nach draußen. Unter Murren und Genöle verlassen die beiden das Wohnzimmer, streunern lustlos im Garten und der Einfahrt umher. Ich lass sie einfach mal machen, vielleicht haben sie ja noch eine tolle Idee, die sie gemeinsam umsetzen können. Ich kümmere mich um Klein und versuche ein bisschen Haushalt zu erledigen. Gut, entspannt und konzentriert fühle ich mich nicht, höre ich doch immer mit einem Ohr auf die Jungs.

Kurze Zeit später höre ich die beiden laustark im Garten debattieren. Auch gut, sollen sie bitte diskutieren, bis sie ein gemeinsames Spiel gefunden haben, mit dem sie sich die Zeit vertreiben wollen.

Doch schon kurze Zeit später stehen sie wieder vor mir:
Wir finden nix, was wir gemeinsam spielen können. Michael will immer nur Kaufladen spielen. Ich will aber draußen bleiben, das ist dooohoooof....
 Ehrlich, ich weiß nicht, warum die beiden keinen gemeinsamen Nenner finden, aber immer und unbedingt miteinander spielen wollen.
Für mich ist das wirklich anstrengend und irgenwann, wenn der Michael allein im Wohnzimmer sitzt und Kaufladen spielt und Groß draußen mit seinem Scooter fährt, erbarme ich mich. Versuche zu schlichten und Kompromisse vorzuschlagen. Höre mir beidseitiges Genöle an und versuche krampfhaft irgendwas zu finden, dass die beiden gemeinsam machen könnten.

Solche Nachmittage ziehen sich dann quälend in die Länge und ich bin zerrissen zwischen Streitschlichter, Teamkoordinatorin und Spielkameradin für Klein.

Ich weiß nicht, warum es Kinder in Groß' Freundeskreis gibt, die nachmittags einfach keine gemeinsame Aktivität finden, die dann, zwar schon bei uns, aber doch lieber jeder für sich allein spielen.

Eine andere Freundschaft treibt mir jedes Mal die Schweißperlen auf die Stirn, wenn Groß verkündet:

Heute nachmittag habe ich mit Max was ausgemacht. Er würde zu uns kommen, geht das? 

NEIN! schreit alles in mir, bloß nicht! Doch wir haben Zeit, keinen anderen Termin und ich weiß, dass Groß Max (aus für mich unerfindlichen Gründen) gerne mag.

Wenn die beiden aufeinander treffen herrscht Chaos. Die beiden raufen, schreien, brüllen wild durch die Gegend. Spielsachen fliegen durch das Kinderzimmer, es wird auf Betten und dem Sofa gehüpft. Weiteres lautes Gebrüll, Gezänk, Treppe rauf, Treppe runter.
Bevor es ganz schlimm wird, schreite ich ein. Allerdings will ich auch nicht andauernd schimpfen und die beiden ermahnen. Eine Gratwanderung. Wo ziehe ich hier am besten die Grenze. Für mich, als Mama sehr schwierig und wieder ist ein ruhiger Nachmittag dahin, an dem Groß mit einem Freund spielt und ich mich um Klein kümmern kann.

Dann gibt es da noch die Mädchenfreundschaften. Da Groß an sich eher ruhiger ist (er lässt sich hier von Max anstecken und mitreißen) hat er auch einige tolle Mädels als Freundinnen.

Mein Herz jubelt innerlich, wenn Marie, Antonia oder Lea zu Besuch kommen. Da wird dann den ganzen Nachmittag im Kaufladen gespielt, ein Einkaufszentrum eröffnet, sich verkleidet, Musik gehört, Disco gespielt. Es wird draußen gemalt, gesportelt und gehüpft und auch Klein ist mittendrin, statt nur dabei.


Eine Wohltat wirklich. Trotzdem frage ich mich, warum das so ist. Warum gibt es Kinder, die Groß sehr gerne mag, mit denen gemeinsames Spielen aber einfach unmöglich ist. Oder ist das so eine Jungssache - alles uncool finden, nur rumsitzen und Fernseh schauen wollen, dann doch lieber allein spielen, raufen, brüllen, stänkern? Ist das ein "Sich-behaupten-müssen", der "Stärke und Lautere" und "Cool" sein zu müssen?

Oder liegt das wirklich an den unterschiedlichen Charakteren? Sind sie in ihren Interessen einfach zu unterschiedlich? Aber die Mädels haben ja schließlich auch alle andere Charaktere und andere Interessen.

Erstaunlich ist für mich trotzdem, dass Max und Michael immer wieder kommen und auch Groß immer wieder dort zum Spielen eingeladen ist.
Wenn ich die beiden anderen Mamas frage, wie das bei Ihnen so abläuft, höre ich ungefähr das Gleiche: Langeweile, keine Ideen, keine Lust auf gar nix bis dann jeder so für sich dahinspielt oder Gebrüll, Geschrei und Geraufe. Und das obwohl in jedem Zuhause unzählige Spielsachen- und Spielgeräte vorhanden sind.


Die Jungs scheinen sich doch durchaus sympathisch zu sein, trotzdem sind diese Nachmittag für mich sehr anstrengend und nervenaufreibend. Irgendwie möchte ich ja nicht, dass die Jungs sich streiten bis einer heult oder einfach nur rumsitzen und jeder für sich alleine spielt.

Klar könnte ich sie vor den Fernseher setzten aber das fühlt sich noch weniger richtig an. Wir waren früher auch draußen, im Wald, auf Spielplätzen bei jeder Witterung. Wir haben uns blutige Knie geholt, Geheimnisse geteilt und sind glücklich und zufrieden nach Hause gekommen.


Warum scheint das heute nicht mehr zu funktionieren. Warum fällt es den Kindern heutzutage so schwer, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen, einfach mal drauf los zu spielen. sich einfach mal zu langweilen (Langweilen kann man sich übrigens auch ohne Freunde ganz wunderbar, wie man hier lesen kann) und dadurch neue Ideen zu entwickeln. Warum brauchen die Kinder heutzutage immer irgendein Angebot, irgendeinen Unterhaltungsmaster, einen Pausenclown, irgendeine Anregung aus der digitalen Welt.
Haben wir hier als Eltern schon früh versagt (und dass obwohl Groß früher mit uns ständig draußen, auf Spielplätzen war, wir viel mit ihm unternommen haben und er sehr spät und auch nur sehr wenig Fernseh schauen durfte) oder ist das einfach die heutige, schnelllebige Zeit in der ohne Fernseher, Tablet und Konsole nur noch wenig Raum für Fantasie bleibt?

Ich möchte Groß seine Freundschaften auf keinen Fall verbieten und hin- und wieder springt auch mal ein "Kinoabend" daheim mit Freunden raus, aber die Nachmittage mit manchen Kindern sind (zumindest im Moment) einfach sehr schwierig und innerlich verdrehe ich schon die Augen, wenn es heißt:
Heute kommt der Max zu Besuch! 
Trotzdem bin ich auch stolz darauf, dass Groß wunderbare Kinder um sich hat (jedes für sich ist nämlich tatsächlich wunderbar - nur gemeinsam sind sie einfach eine explosive Mischung aus Langweile und Streiterei) und sich in der Gruppe der "Bald-Erstklässler" gut integriert hat.

Mein Lichtblick: ich freue mich immer umso mehr, wenn die Mädels zu Besuch kommen und hoffe, dass Mädels noch nicht so schnell "uncool" werden.













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