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Das große Ganze sehen

Da war sie wieder. Die Kleinigkeit, die mir den Magen umdreht. Die meine Stimmung sinken lässt, mir und meiner Familie den Abend verdirbt. Die Kleinigkeit, die mich nicht zur Ruhe kommen lässt, die meine Gedanken kreisen lässt und mich zum weinen bringt.

Eine Kleinigkeit. Etwas, dass Groß ausprobiert hat. Etwas was einem Freund nicht gefallen hat. Etwas, dass Groß lernen muss. Nichts schlimmes....wirklich nicht. 

Trotzdem überrollen mich Gefühle wie Frustration, Wut, Hilflosigkeit, Unverständnis und Ärger... wegen einer  Kleinigkeit. Wegen etwas, dass Groß aus überschwänglicher Freude getan hat und nicht gut ankam. Eine Kleinigkeit, die sicher von beiden Jungs auf dem Schulweg schon wieder vergessen war. Eine Kleinigkeit, die mich den ganzen Abend begleitet. 

Eigentlich wollte ich eine neue Serie ansehen.... Mir ist die Lust vergangen. Ich hänge nervös und unruhig auf dem Sofa. Versuche meine Gedanken zu sortieren, mein Mann versucht ein Gesrpäch mit mir anzufangen, ich kann mich nicht konzentrieren. 

Ich habe furchtbar geschlafen, kämpfe mich mit Augenringen durch die Arbeit und muss dieses Gefühlschaos zu Papier bringen. Ich verliere mich in diesen Kleinigkeiten. Alltäglichkeiten an denen die Kinder sich ausprobieren, sich entzweien und wieder zusammenraufen und wachsen können. Ich verliere mich in einem Gedankensumpf aus kleinen Warums?, Weshalbs?, Wiesos? Und ich sehe das große Ganze nicht mehr.

Das große Ganze, dass ich schon geschafft habe, allein, zusammen mit meinem Mann, gemeinsam mit den Kindern.
Das große Ganze, dass mein Leben ausmacht. Ich verliere den Blick für alles, was wir haben, was wir sind.

Das große Ganze, dass ich jeden Tag genießen darf, dass eigentlich perfekt ist. Zwei gesunde Kinder, Familien, die hinter uns stehen und helfen, wo sie nur können. Eine handvoll guter Freunde, auf die wir uns immer verlassen können. Ein schönes Haus mit Garten, in dem sich die Kinder und auch wir austoben und ausruhen können. Zwei gut bezahlte Jobs, die uns einen Lebensstandard ermöglichen, von dem viele nur träumen können. Das große Ganz eben. Alles was dazugehört. Dinge, die viel wichtiger sind als all diese Kleinigkeiten, mit denen ich mich durch den Alltag quäle.

Ich sehne mich so sehr nach Ruhe, nach gedanklichem Frieden, nach Willenskraft wirklich nur das große Ganz zu sehen.

Das große, ganze Bild meines Lebens und nicht die einzelnen Pixel, die darin versteckt sind und vielleicht nicht immer ganz so gut ins Bild passen. Ich muss lernen, mein Objektiv wieder scharf zu stellen auf das ganze Bild und nicht immer auf einen kleinen Teil zu fokussieren.

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