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Die ersten Flugversuche in ein kleines bisschen mehr Selbstständigkeit und ein Brief an mein kleines, großes Mädchen

Mein liebstes kleines, großes Mädchen,

ich weiß noch genau, was ich gemacht haben, an dem Tag, an dem du auf die Welt gekommen bist. Ich habe gleich in der Früh eine Sonnenliege beim Discounter gekauft. Die wollte ich noch ausgiebig testen. Wir hatten ja noch vier Tage. Vormittags hatte ich einen Kontrolltermin im Krankenhaus. Das CTG zeigte erste Wehen. Ich spürte aber nichts und bin zu deinen Großeltern gefahren. Dein großer Bruder hat mich schon erwartet. Ganz aufgeregt, weil er zu einem Kindergeburtstag eingeladen war.
Das komische Zwicken im Bauch hab ich ignoriert. Die Übelkeit nach dem Mittagessen auch. Und den Schwindel sowieso.
Trotzdem hat mich dein Opa am Nachmittag wieder ins Krankenhaus gefahren.
Innerhalb von zwei Stunden hast du dir stürmisch und mit viel Trubel deinen Weg in die Welt erobert.
Und dann lagst du in meinen Armen. So klein, so zierlich und zerbrechlich. So wunderschön. Für einen Moment stand die Zeit still.
Und doch drehte sie sich unaufhaltsam weiter.

In den letzten dreieinhalb Jahren hast du unser aller Leben bunter, lustiger und fröhlicher gemacht. Manchmal hast du Ängste und Zweifel in mir geschürt. Manchmal mussten wir um dich bangen. Wir haben schlaflose Nächte miteinander verbracht. Haben zusammen geweint und gelacht.  Du bist ein kleiner Wirbelwind mit seinem ganz eigenen Kopf. Du kannst stürmisch, aufbrausend, wütend und zickig sein und dann wieder so liebevoll, fürsorglich und einfühlsam. Du bist ein großer, kleiner Gefühlsmensch und hast in den letzten dreieinhalb Jahren schon so vieles gelernt und gemeistert.

Du hast die Herzen rings um dich im Sturm erobert. Du kannst dich noch für so vieles begeistern. Du liebst deinen großen Bruder abgöttisch, du lernst so viel von ihm und doch gibt es Zeiten, in denen ihr unaufhörlich streitet. In denen du mit schrillem Geschrei deinen Kopf durchsetzen möchtest. Du vermisst ihn so sehr, wenn er nicht da ist und doch kommt ihr gerade nicht sehr gut miteinander aus.

Dich lass ich nie mehr los, meine kleine Maus. Und doch weiß ich, dass es Zeit ist, dir Flügel zu geben. Flügel, für einen weiteren, neuen Lebensabschnitt. Flügel, die für dich so wichtig sind und mir so unendlich schwer fallen. Ich weiß, dass du Spaß und Freude im Kindergarten haben wirst. Du wirst Freunde finden, neue Sachen lernen und du wirst ein Stückchen unabhängiger werden. Du wirst diese neue Situation toll meistern. Ich weiß aber auch, dass es manch harte Nuss zu knacken geben wird für dich. Du musst lernen dich anzupassen, Kompromisse zuzulassen und auch mal den anderen Vorrang zu lassen. Dieser Alltag wird nicht immer einfach für dich sein. Aber ich weiß, dass du es schaffst. Ich weiß, dass du die Kraft, die Tapferkeit und den Mut dazu hast.
Trotzdem wird mir mulmig zumute, wenn ich daran denke, dass du ohne mich durch dieses neue Haus, mit den noch unbekannten Menschen und den vielen anderen Kindern stolperst. Du wirst erst mal beobachten, alles aufsaugen wie ein Schwamm. Wie dein Bruder. Aber auch du wirst immer sicherer werden, wenn du dich vertraut gemacht hast, mit der neuen Situation. Mit deinem neuen Alltag inmitten dieses bunten Kindergartenlebens.

Mein liebstes kleines, großes Mädchen, ich wünsche dir viel Sonnenschein in deinem neuen Lebensabschnitt und die Gewissheit, dass du alles schaffen kannst. Ich wünsche dir, dass du weißt, dass du mit deinen neuen kleinen Flügeln der Unabhängigkeit immer wieder in dein sicheres Nest zu deiner Mama, deinem Papa und deinem Bruder zurückkehren kannst. Wir sind immer in deiner Nähe, niemals weg, immer für dich da.
Und für einen Moment steht die Zeit still.

Mein liebstes kleines, großes Mädchen, ich liebe Dich!

Deine Mama


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